Abenteuer Asien

Die kurze Version


Abi in der Tasche, Pläne fürs nächste Jahr fertig geschmiedet und ein ewig langer Sommer steht vor der Tür. Hört sich nach ganz viel Entspannung und viel freier Zeit an? Fehlanzeige – ich, Mareen Kraft, hatte mich in vier deutschen Auswahlrunden für das Nationalteam der Internationalen Biologieolympiade qualifiziert, die dieses Jahr in Hanoi, Vietnam stattfand. Doch nicht nur die Reise nach Vietnam machte diese Qualifizierung zu etwas ganz Besonderem: Vor der eigentlichen Olympiade stand ein Trainingslager in Singapur (!) an. Ich machte mich also am 9.7. mit 27,5 Kilo und ganz viel Vorfreude im Gepäck auf zum Flughafen Tegel, von wo aus ich zuerst nach Frankfurt flog, um dort gemeinsam mit den drei anderen Teammitgliedern und zwei Betreuern in das ferne Singapur zu reisen. In Singapur angekommen akklimatisierten wir uns zunächst im Pool unserer Wohnanlage und besprachen bei angenehmen 30° Wassertemperatur die nächste Woche. So entspannt ging es aber natürlich nicht weiter – in den folgenden Tagen hörten wir Vorträge, bearbeiteten Theorieklausuren, bewältigten Praktika und klebten kleine Aufkleber auf 700 Gummibärchentütchen, welche wir bei der Olympiade als Giveaways nutzen wollten (was wohl das Anstrengendste war). Aber auch für biologische Ablenkung war gesorgt: Wir besuchten einen Night Safari Zoo, den man nur abends/nachts besuchen konnte, erlebten das Aquarium mit einer spannenden Führung (auch hinter den Kulissen in der Korallenzucht) und informierten uns in einem Naturkundemuseum über die Artenvielfalt Singapurs. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, das singapurianische Team schon bei einem gemeinsamen Abendbrot kennenzulernen und erste Freundschaften zu schließen. Nach einer Woche hatten wir uns einigermaßen an das Klima (‚Nur 27°heute? Mir ist kalt! ) und das Essen gewöhnt (zum Abschluss gab es aber doch europäische Pizza auf der Dachterrasse) und schon ging es weiter in das drei Flugstunden entfernte Vietnam. Dort angekommen wurden wir von unserem Guide Hai Yen und 38° mit praller Sonne begrüßt. Auf dem Weg zur Anmeldung erkannten wir, dass Singapur eine light Version Asien ist – hier waren wir im ‚richtigen' Asien mit Disparitäten zwischen Arm und Reich, Reisfeldern und chaotischem Verkehr angekommen. Der Verkehr ist auch das, was mir sicher ewig im Gedächtnis bleiben wird von Vietnam: Auf ein Auto kommen geschätzt zehn Mopeds, Verkehrsregeln existieren praktisch nicht. Einzige Regel scheint zu sein: Wer am lautesten hupt, hat Vorfahrt. Ampeln können beachtet werden, müssen aber nicht, Fahrspuren sind weder für Autos noch für Mopeds relevant. Mopeds können insgesamt auch fast noch mehr beladen werden als Autos – zwei Meter hohe Beladung sind durchaus üblich und auch der Familienausflug auf einem einzigen Moped ist an der Tagesordnung. So waren wir sehr froh, während der gesamten Woche in Bussen mit Polizeieskorte zu fahren. Ab dem 17.7. begann dann wohl die spannendste Woche meines Lebens: Zunächst wurde uns bei der Eröffnungsfeier vietnamesische Tänze und Musik gezeigt und alle Teams (mehr als 60 Länder!) konnten sich kurz auf der Bühne präsentieren. Am Montag durften wir zunächst die Altstadt Hanois mit dem Tempel der Weisheit besuchen und bekamen so einen weiteren interessanten Einblick in die vietnamesische Kultur. Am Nachmittag hatten wir die Möglichkeit, die Labors für den nächsten Tag zu besichtigen und uns mit einigen Labormaterialien vertraut zu machen. Dienstag war der anstrengendste und deprimierendste Tag der ganzen Woche: die praktischen Klausuren standen an und zeigten uns allen, dass es noch wahnsinnig viel in der großen Welt der Biologie zu lernen gibt. Nach Molekularbiologie, Zoologie, Botanik und Biochemie hatte ich alle Medaillenhoffnungen begraben und konzentrierte mich stattdessen auf den aufschlussreichen Austausch mit Teams aus aller Welt. Zum Entspannen konnten wir am nächsten Tag ein Pottery Village besichtigen, in dem wir erfolglos versuchten, selber Schüsseln herzustellen und anschließend Keramikprodukte bemalen konnten. Außerdem statteten wir dem Ethnologischen Museum Hanoi einen Besuch ab und erlebten zum ersten Mal in unserem Leben ein Wasserpuppentheater. Donnerstag war dann der letzte Klausurentag – diesmal hatten wir zwei dreistündige Theorieklausuren zu absolvieren. Diese liefen gefühlt besser als die Praxis, jedoch war wieder einmal zu wenig Zeit und bei einigen Fragen vertraute ich einfach meinem Gefühl. Nach der Cultural Night machten wir uns am letzten Tag vor der Abschlussfeier auf den Weg ins drei Stunden entfernte Trang Ahn, um dort die wundervolle Natur bei einer Paddeltour und einem Pagodenbesuch zu genießen. Und schon stand der letzte Tag vor der Tür. Nach dem späten Frühstück und ausführlichem Mittag fuhren wir noch einmal mit Polizeieskorte zum National Convention Center in dem nach Gesang, Tanz und Reden die Medaillen vergeben wurden. Dort gab es für mich dann eine große Überraschung: ich gewann Silber und lag mit meinem 33. Platz von 253 Teilnehmer sehr weit vorne. Auch Lucia Winkler konnte sich über eine Silbermedaille freuen und Jan Kruse und Max Fritz gewannen sogar Gold! Damit waren wir in der Länderwertung als Team auf dem fünften Platz!

 

MarrenKraft4 

 

Nach dieser erfreulichen Überraschung und dem Feiern bis tief in die Nacht hinein fiel der Abschied von den neuen Freunden schwer, doch wir konnten uns auf den anstehenden kurzen Urlaub in Vietnam freuen. So machten wir einen Ausflug in die berühmte Bucht Ha Long, wo Felsen wie Drachenbuckel aus dem Wasser auftauchen. Außerdem erlebten wir den Regenwald (inklusive Riesenspinnen und Schaben) hautnah in einem Nationalpark. Am letzten Tag schlenderten wir noch einmal durch Hanoi, bevor wir uns am 28.7. auf die gut 24 stündige Rückreise machten. Zurück in Deutschland kann ich rückblickend sagen, dass ich zwar keinen entspannten Badeurlaub hinter mir habe, dafür aber tolle Menschen kennengelernt, faszinierende Orte besucht und wundervolle Erfahrungen gesammelt habe. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben – und jetzt geht es erstmal für ein Jahr zum Freiwilligendienst in die Niederlande!


Mareen Kraft

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